Zeit und Raum

Bettina Peters Bewusstsein 1 Comment

Die lineare Zeit, mit der wir leben, ist eigentlich eine Illusion – und doch erleben wir täglich, wie sie vergeht. Manchmal scheint sie zu schleichen – sie scheint nicht vorwärts zu gehen, und manchmal scheint sie in einem Formel1-Wagen vorbei zu rauschen – meist in schönen Momenten, die wir genießen.

„Zeit ist relativ“, so Albert Einstein. Und ja, das ist richtig, wir erleben das ziemlich oft. Die Rede hierbei – und bei dem Phänomen, das wir erleben – ist von der sog. Raumzeit.
Wenn die Zeit „rennt“, sind wir ganz im Moment, und wenn sie „schleicht“, sind wir außerhalb desselben, weil wir darauf warten, dass diese Zeit endlich vorbei ist.
Wenn wir den Rahmen dieser Betrachtung weiter fassen, wird es noch verrückter. Als bewusster Mensch erlebe ich die Zeit nahezu immer als „rennend“ – ein Tag, ein Monat, ein Jahr – alles wie in einem Wimpernschlag vorbei. Und doch, wenn ich zurückschaue auf ein Ereignis, scheinen die zwei Wochen, die seitdem vergangen sind, wie eine Ewigkeit.
Und wenn ich mich zurückerinnere an eine Lebensphase, in der ich weniger bewusst war, schien die Zeit zu schleichen (vor allem von Montag bis Freitag). Im Rückblick jedoch kann ich diese Jahre bzw. Jahrzehnte auf einen ganz kurzen Zeitraum zusammenfassen. Es ist für mich unfassbar, dass das z.B. 20 Jahre gewesen sein sollen.

Was ich auf diese Weise erlebe ist die sog. Raumzeit.
Als unbewusster Mensch hat sich in der Zeit nicht viel geändert, alles lief seinen mehr oder weniger immergleichen Gang. Ich habe also in diesen 20 Jahren wenig Raum zurückgelegt, weil ich auf der Stelle getreten bin. Und so erlebte ich die Zeit, während ich darin war, als ewig lange – sehr ewig. Und im Rückblick scheint der Raum, den ich in dieser Zeit zurückgelegt habe, auf einem Stecknadelkopf Platz zu haben.
Jetzt, da ich bewusster bin, ändert sich permanent etwas – ich ändere mich permanent. Ich lege also nahezu täglich eine Strecke im Raum zurück. So erlebe ich die Zeit, während ich darin bin, als kurz und sehr flüchtig. Im Rückblick jedoch sind eben diese zwei Wochen wie eine Ewigkeit, weil ich eine große Strecke im Raum zurückgelegt habe.

Wenn ich aus der unbewussten Zeit etwas erzählen müsste, so fällt mir nicht viel ein, obwohl ich in dieser Zeit sehr viel mehr mit der Welt da draußen zu tun hatte als jetzt. Ich habe seitdem eine so große Strecke im Raum-Zeit-Kontinuum zurückgelegt, dass der Stecknadelkopf, der ohnehin verschwommen war, nicht mehr auffindbar ist.
In der jetzigen bewussten Phase sind meine Momente dagegen mit sehr viel (innerem) Er-Leben gefüllt. Ich bin (meistens) im Moment. Es sammeln sich wenige Erinnerungen an, weil es nicht nötig ist – in jedem neuen Moment gibt es neues Er-Leben, sodass nichts festgehalten werden muss.

Wie erlebst Du Zeit und Raum?

Comments 1

  1. „Wie erlebst Du Zeit und Raum?“

    Bei mir scheint die Zeit immer davon zu laufen. Als Kind kannte ich noch das Gefühl, der Langeweile. Aber ich war sehr aktiv und hatte für alles Zeit. Ich habe sehr viele Erinnerungen an eben diese Zeiten. Meine letzten 20 Jahre waren irgendwie immer gleich. Alles wiederholt sich, wie in einer Dauerschleife. Die Zeit rast und immer hat man das Gefühl, etwas zu verpassen. Wenn ich meine Bücher schreibe ist es ganz anders. Dann kann ich in den Moment versinken und erlebe alles viel bewusster. Dann kann ich auch mal die Zeit vergessen 🙂

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